Positiv sein

Auch wenn 99% negativ sind, das 1% Positive gibt uns unendliches Potenzial.

Die Basis ist grundlegender Optimismus: Die Zuversicht, dass alle Probleme dem Guten dienen können. Die Annahme, dass jeder Mensch grundsätzlich bestrebt ist, immer das Beste aus seiner Gegebenheit zu machen.

Der Mut, alle Dinge von der positiven Perspektive zu fördern, ist nicht mit dem Fehlen eines kritischen Blickes gleichzusetzen. Den Zeigefinger zu erheben ist eben immer bequemer. „Positiv sein“ ist dagegen eine großartige Schule, um Dinge anders zu betrachten und das eigene Verhalten anders zu gestalten.

Im betrieblichen Alltag wird „positiv sein“ häufig unterschätzt oder gar belächelt. Vielmehr lässt man technische oder vorgeschriebene Normen sprechen, um scheinbar Falsches aufzuzeigen, das an sich nicht falsch ist. Meistens wird dabei das Positive völlig übersehen oder wissentlich ignoriert.

Dazu haben viele Menschen Angst, dass sie durch „positiv sein“ Macht und Autorität verlieren könnten.
Die Herausforderung liegt darin, aus dem konstruktiv kritischen Blick und dem „positiv sein“ eine gekonnte Synthese zu schmieden.

Chefs, raus aus euren Büros! Rettet die Zukunft!

Die Industrie lebt seit 200 Jahren unverändert dieselbe Führung in Struktur und Kultur: Von oben nach unten kontrollieren und verwalten. Dieses Selbstverständnis, dass der größte Teil der Menschheit sich passiv von einer kleinen Elite führen lässt, ist eine der kritischen Ursachen der ökonomischen und sozialen Divergenzen, die zu einem unbeherrschbaren Einfluss auf das Erdklima und die Ressourcen führen.

Daraus folgt: Das Gleichgewicht muss wiederhergestellt werden. Die Menschen “an der Basis” müssen anders in die Gestaltungsprozesse der Zukunft eingebunden werden: mit all ihrem Wissen, ihren Erfahrungen, Ideen und Energie.

Es stellt sich die Frage, ob wir warten, bis irgendjemand es für uns besser macht oder gibt es einen Weg, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, ohne dabei den Wettbewerbsvorteil zu verlieren oder gar ordentlich davon zu profitieren?

Fast die gesamte Industrie weltweit lebt ein Führungsmodell, das sich seit 200 Jahren, also seit der Industrierevolution, nicht mehr weiterentwickelt hat: Die “Arbeitskräfte” von oben nach unten, entlang der Hierarchie zu diktieren, kontrollieren, verwalten und unter Druck zu setzen. Die Mehrheit in der Organisation versteht sich als Befehlsempfänger: Besser man schweigt und führt Befehle aus. Die Menschen bleiben Arbeitsressourcen, die beliebig eingesetzt und ersetzt werden können. Sie sollen ihren Mund nur aufmachen, wenn sie gefragt werden und dabei nicht das bestehende System in Frage stellen.

Ob man schließlich zu den lukrativen “Gewinnern” gehören wird, um die Macht und alle Privilegen zu genießen, oder ob man als “Verlierer” mit wenig Macht und Wohlstand einen Platz in der Gesellschaft einnimmt, entscheidet sich fast von alleine und ist absehbar: Die erwartete Homogenität in unserer Gesellschaft (Herkunft, soziale Umgebung, Erziehung, Ausbildung usw.) presst die Menschen in eine vorgegebene Form. 

Auch die Unternehmen sind so programmiert, dass die gesetzte Struktur nicht in Frage gestellt oder gar zerstört wird: Eine Struktur, in der ein kleiner Anteil der Menschen die Zukunft gestaltet und der Rest nur passiv mitlaufen darf. Wer zu den “Gewinnern” gehören möchte, muss das Spiel beherrschen und weiterhin das anachronistische Führungsmodell vorleben: Macht gegen Macht, Ergebnis gegen Ergebnis, Zahlen gegen Zahlen, egal was es kostet. Wer ein schlechtes Ergebnis präsentiert, fällt aus dem System. 

Diese 200 Jahre alte Industrieführung hat mittlerweile eine Monster-Dimension erreicht und droht in verschiedener Hinsicht die eigene Heimat zu vernichten. Wenn es im Monatsabschluss um Millionen-Gewinn oder -Verlust geht, hat eine langfristige, vernünftige Strategie selten einen sinnvollen Spielraum. Es geht nur um eins: mehr Gewinn. Bedauerlicherweise fällt den Verwaltern der Gewinne nichts besseres ein, als die Effizienz durch Kostensenkung (Prozesse), Zukauf von anderen Firmen (potenziellen Konkurrenten) und Druckerhöhung (auf die Mitarbeiter) zu erreichen. Der Wettbewerb ist überall derart eindimensional, dass sich keiner mehr alleine aus dieser Struktur hinaus traut.

Gibt es trotzdem noch eine vernünftige Chance, den Trend zu wenden? Wer oder was kann die Richtung ändern?

Die einzige Chance liegt darin, dass mehr Menschen, an der Gestaltung der eignen Zukunft teilnehmen und nicht nur als passiver Empfänger, Beobachter und Mitläufer des Geschehens verbleiben. Die Unternehmer und Geschäftsführer könnten dabei einen wichtigen Beitrag leisten:

1: Jedes Unternehmen kann seine Führungskultur ändern. (Ich betone hier bewusst die “Kultur” der Führung und nicht die Struktur. Die strukturelle Veränderung könnte möglicherweise folgen.) Die Annahme, dass eine kleine Gruppe “schlauer” und höher bezahlter Menschen alles wissen, kontrollieren und entscheiden kann, ist ein Mythos. Zumindest geht dieses Modell in der heutigen Zeit längst nicht mehr auf. Dafür ist der Markt zu schnelllebig und komplex. Eine unglaubliche Menge an Entscheidungen ist täglich zu fällen. Die bekannten Tools der Kommunikation – Meeting, E-Mail, Berichte, Excel, Power Point, Einzelgespräche – werden der neuen, extrem komplexen Realität nicht mehr gerecht.

Wenn ein Unternehmen nicht in der Lage ist, das Wissen, die Erfahrungen, die Ideen und die Energie aller Mitarbeiter freizusetzen (ich meine wirklich “frei” und nicht nur selektiv und willkürlich), um diese Energie zur Gestaltung der eigenen Zukunft einzusetzen, dann ist die langfristige Effizienz so schlecht, dass man niemals die notwendige Wettbewerbs- und Überlebensfähigkeit erreichen wird. 

Man darf dabei nicht vergessen: Jedes Unternehmen kann langfristig nur dann überleben, wenn es einzigartig ist. Diese Einzigartigkeit wird nicht durch Maschinen, hübsche Gebäude oder das Rekrutieren von “hochwertigen” Mitarbeitern generiert. Das kann jeder. Die Konkurrenz kann technologisch gleichziehen und sie kann Konzepte kopieren. Aber somit sind sie noch lange nicht einzigartig. Die einzige Chance, als Organisation einzigartig zu sein, liegt darin, das Potenzial aller Mitarbeiter auszuschöpfen. Wenn Ihr Unternehmen die Führungskultur ändert und damit alle Menschen zu Gestaltern der Zukunft ermächtigt, wird es eine unvorstellbare Dimension an Effizienz und Potenzial gewinnen.

2: Ihr Unternehmen wird eine andere Reputation genießen, weil die Menschen in Ihrem Unternehmen glücklicher sein werden. Durch die uneingeschränkte Offenheit – eine der wichtigsten Voraussetzungen der zukunftsfähigen Führungskultur – erleben die Menschen mehr Würde, Respekt und Selbstvertrauen. So etwas spricht sich schnell herum. Ihr Unternehmen wird immer mehr Gleichgesinnte anziehen. Eine dynamische, kreative und motivierte Mannschaft kann alle Herausforderungen auf dem Markt “anders” überleben als die konventionell geführten Unternehmen.

3: Ihr Unternehmen wird auf dem ökosozialen Markt ein positives Signal setzen und anderen Unternehmen Mut machen, auch diesen Weg zu gehen. Je mehr Unternehmen mitmachen, umso mehr starke und selbstbewusste Menschen wird eine Gesellschaft an ihrer Basis haben. Diese Menschen erzeugen Druck, so dass die richtigen Fragen gestellt werden und konkrete Handlungen erfolgen. 

Gibt es da einen Haken? Ja und nein: Sie müssen den ersten Schritt gehen, ansonsten wird nichts passieren. Sie selbst müssen aus Ihrem Office heraus gehen. Sie müssen loslassen und aufhören, ausschließlich an Reports, Meetings und Zahlen zu glauben. Sie müssen den Mut haben, auf Ihre Mitarbeiter zuzugehen. Sie müssen den Mut haben, unangenehme Realitäten frontal anzuschauen, die Sie in Ihrem gemütlichen Office niemals sehen würden. Sie müssen Ihren Mitmenschen vertrauen. Sie müssen auch Fehler und Probleme mögen lernen.

Dies lohnt sich immer. Solange Sie uneingeschränkt offen sind, Dinge einfach zu halten (ohne komplizierte Konzepte von Beratern bspw.) und konstruktiv zu kommunizieren, werden Sie von Ihren Mitarbeitern unterstützt.

Und das ist ein “Miteinander”, das Kraft hat. Dieses Miteinander hat eine große Tragweite, weil Menschen gestärkt werden, die bis heute zum Schweigen verdonnert waren und daher keine Impulse zur Veränderung setzen konnten. 

Die Zukunft der Erde braucht ein soziales, ökologisches und ökonomisches Gegengewicht zur Herrschaft der Wenigen. Dieses Gewicht ist nur durch Masse zu erreichen. Je mehr Unternehmen diesen Weg gehen werden, umso größer wird die Masse sein. Auch Ihr Unternehmen ist ein Teil des Ganzen. 

Die Einzigartigkeit ist der Schlüssel dazu. Und dafür ist ein anderes Miteinander erforderlich: Eine zukunftsfähige Führungskultur muss her. Wenn Sie diese erfolgreich etabliert haben, ist Ihr Unternehmen unschlagbar: Sie genießen einen besonderen Ruf aufgrund einer unfassbaren Stärke Ihrer Mitarbeiter. 

Es nimmt Ihnen aber keiner diese Aufgaben ab. Sie müssen sich entscheiden, ob Sie den ersten Schritt gehen wollen. Eine solche Veränderung wird lange dauern und viel Energie kosten. 

Also raus aus dem Office! Sie können einen Betrag leisten, um den Kurs der Erde zu beeinflussen.

ZUHÖREN

Nichts kostet mehr Mut, Energie und Aufwand als Ihre Mitarbeiter zuzuhören. Nichts aber ist stärker.

Gehen Sie auf die Mitarbeiter zu und hören Sie, was sie sagen. Die Mitarbeiter sind unser größtes Juwel. Sie sind die Profis, die trotz aller Unzulänglichkeiten und Missstände, die Sie verursachen, die täglichen Lieferungen an die Kunden ermöglichen. Die Mitarbeiter sitzen an den Fronten und kämpfen, ohne Ausweichmöglichkeiten und Ausreden. Sie kennen sich am besten mit Genba aus. Die Mitarbeiter haben unzählige Ideen und Gedanken. Was könnte stärker und effizienter sein, als von ihnen zu lernen?

Eine Kultur des Zuhörens muss etabliert sein. Zuhören setzt Respekt und Zusammenarbeit voraus. Das ist, worauf es Ihnen ankommen muss.

Manager und Vorgesetzte, die wirklich zuhören, gehören leider zu den mikroskopischen Minderheiten.

Die Barrieren befinden sich in Ihren Köpfen. Erstens verlangt Zuhören Ihnen definitiv mehr Arbeit und mutige Entscheidungen ab, die als Folge des Zuhörens zu leisten sind. Zweitens blockiert Sie die Vorstellung, Sie seien als Angestellter oder Vorgesetzter etwas Besseres oder Hochwertigeres. Mitarbeitern zuzuhören ist kein Lippenbekenntnis. Es ist eine äußerst schmerzhafte Arbeit. Und diese Arbeit kann erst nur in Ihrem Kopf erfolgen.

Fragen Sie sich, ob Sie wirklich bereit sind, Ihren Mitarbeitern zuzuhören und was es für Sie bedeutet.

Gehen Sie mit einer konkreten Botschaft zu Ihren Mitarbeitern. Dies kann zum Beispiel ein aktuelles technisches Problem sein oder ein kleines Dankeschön zum guten Monatsergebnis.

Stellen Sie Fragen, wie Sie ihnen persönlich helfen können. Oder nehmen Sie einfach ein Problem als Ihre persönliche Aufgabe mit.

Viele Chefs lassen sich gerne im Gespräch mit den Mitarbeitern ablichten. Das Wissen „Je-höher-der-Rang,-umso-mehr-zuhören“ hat sich längst in den Managerliteraturen und Seminare der künftigen Leaders als Allgemeingut etabliert.

Aber Achtung! Das Zuhören kann man vortäuschen. Die Mitarbeiter beobachten genau, ob Ihr Verhalten nur ein Show oder ein Fake ist. Warum?

Wenn Sie eine Dankbarkeit Ihren Mitarbeitern gegenüber verspüren, werden Sie mit Respekt vorgehen. Und wenn Sie respektieren, werden Sie (fast) automatisch zuhören. Ihre Dankbarkeit gibt Ihnen eine klare Verhaltensorientierung.

LOSLASSEN

Die größte Unsicherheit. Das stärkste Geheimnis.

Gewinnen durch Loslassen und Abgeben.

Wir alle tun uns schwer, wenn es ums Loslassen geht: Ein Ur-Instinkt blockiert uns, weil wir auf „Alles-für-sich-behalten“ programmiert sind.

Ein Meister einer Sondermaschinenfabrik stand kurz vor einem „Burn-out“. Sein Alltag war hoffnungslos überladen: Er war der Wissensträger, der Entscheider und der Problemlöser in einer Person: ein Super-Held, der es nie anders gelernt hatte. Als der asiatische Markt die Firma entdeckte, explodierten seine Aufgaben und Probleme um ein Vielfaches. Er war am Verzweifeln, wusste nicht, an wen und wie er seine Aufgaben weitergeben konnte. Seine Ausrede war immer: „Die werden dafür nicht bezahlt. Außerdem können die es nicht.“ Zwei Jahre arbeitete er so weiter. Dann war er weg. Keiner hat ihn vermisst.

Lassen Sie los. Geben Sie Ihre Tätigkeiten, Entscheidungskompetenzen und Ihr Wissen bereitwillig an andere Menschen ab. Sie werden dadurch nur gewinnen.

Gerade Führungskräfte tun sich mit Loslassen äußerst schwer. Aus Angst vor Machtverlust und vor Mehraufwand halten sich die Chefs krampfhaft an ihrem „Kompetenz-Bötchen“ fest.

Oft denken wir falsch und wollen nicht loslassen, weil wir annehmen, Loslassen bedarf einer genauen Planung und präziser Vorbereitung. Doch das Gegenteil ist der Fall. Tun Sie es einfach: Just Do it!

Machen wir eine theoretische Berechnung: Sie arbeiten 8 Stunden am Tag, davon geben Sie 4 Stunden ab, gewinnen also 4 Stunden. Doch wie erwartet bekommen Sie Probleme. Schließlich haben Sie Ihre Tätigkeiten ohne große Planung und Vorbereitung abgegeben! In den gewonnenen 4 Stunden kümmern Sie sich nun um die Problemlösung. Die Rechnung geht also nicht auf? Aber sicher geht sie auf: Die Probleme bleiben ja nicht dauerhaft so umfangreich, dass Sie Ihre ganzen 4 Stunden für die „Wiedergutmachen“ benötigen. Zweitens tritt bald ein Lerneffekt ein und das Ganze läuft immer besser. Sie müssen Ihren Mitmenschen nur mehr zutrauen.

VERÄNDERUNG

Jede Veränderung bringt ein neues Problem mit sich. Und jedes Problem fordert erneut heraus. Daher verändern wir uns.

Wovor haben wir am meisten Angst? Vor unplanmäßigen, unvorhersehbaren Ereignissen, davor, dass etwas außer Kontrolle geraten könnte. Veränderung birgt immer gewisse Ängste, weil sie Ungewissheit darstellt. Nun ist aber Veränderung die Essenz vom Fitnesstraining Ihres Unternehmens. Doch das ist kein Grund, sich täglich mit Ängsten zu plagen: Das durch Veränderungen verursachte tägliche Chaos ist nichts weiter als das Überlebens-Training für Ihre Organisation. Veränderung bedeutet mehr Aufwand für die Organisation. Das bedeutet aber nicht, dass Sie persönlich alles erledigen. Viel wichtiger ist, dass Sie die Aufgaben als ein Team erledigen. Viele Menschen haben aber kein Interesse daran, aus ihrer gewohnten Arbeitsweise auszubrechen und lehnen Veränderungen daher ab. Sie begründen dies oft mit Ungewissheiten, Risiken oder der Nicht-Messbarkeit der Veränderungseffekte. Eine positive Einstellung zu Veränderung ist die „Lebensgrundlage“ unserer Zusammenarbeit. Ängste und daraus folgend Halbherzigkeiten führen dazu, dass Maßnahmen nur an der Oberfläche verbleiben. 

IDEEN

Ideen, Ideen. Geben Sie Ihren verrückten Ideen freie Fahrt.

Das genetische Material von Lebewesen ist grundsätzlich auf Erhalt und Wiederholung programmiert.

Der Mensch aber hat ein anderes Schicksal hinter sich: Der heutige Evolutionsstand der Menschheit entwickelte sich aus der Summe von Fehlern und Abweichungen (Versuch und Irrtum). Neues ausprobieren, scheitern, lernen, anpassen und wieder Neues ausprobieren und so weiter.

Das Kyozin-System basiert auf einer hohen Spannung zwischen Stabilität und dem Ausprobieren neuer Ideen.

Stabile und zuverlässige Systeme müssen immer wieder in Frage gestellt werden: Verrückte, ausgefallene, unkonventionelle Ideen mit unbekannten Perspektiven initiieren den nächsten Durchbruch.

Es gibt keine schlechte Ideen: Es fehlt nur der Anknüpfungspunkt, solche Ideen zu übernehmen.

 

Sie müssen die Erwartung aufgeben, dass alles vorhersehbar und planbar sei. Sie brauchen Freiraum im Kopf für unbekannte und unkonventionelle Gedanken. Dazu gehört, dass Sie sich Ideen zu Ende anhören, bevor Sie etwas ablehnen, nur weil Sie es noch nicht kennen.