Ja, sie ticken anders – die Millennials und die Gen Z. Sie machen pünktlich Feierabend. Sie sind überfreundlich und arbeiten oft strikt nach Vorschrift.
Dann kommt er, der typische Gedanke: „Wir haben damals ganz anders gearbeitet. Wir haben nicht an Feierabend gedacht. Was ist bloß los mit den jungen Leuten?“
Falsch gedacht. Warum?
Weil das nicht das Problem der jungen Generation ist – sondern unseres. Unser System ist zu wenig kreativ, zu wenig anpassungsfähig. Wir blicken ständig zurück, um unsere Normen zu rechtfertigen: „Früher war das so – und es hat funktioniert. Also muss es richtig gewesen sein.“
Daraus entsteht eine Erwartung: Junge Menschen haben wenig Erfahrung (stimmt), also hätten sie auch keine Vorstellung (falsch). Sie müssten daher bedingungslos Loyalität zeigen (ernsthaft?), und mit Fleiß täglich bis zur Erschöpfung alles geben – so wie „wir damals“ (was übrigens auch nie durchgehend so war).
Diese Denke prägt die Kultur ganzer Organisationen. Doch die Zeiten, die Bedingungen, die Komplexität – all das hat sich längst gedreht. Woher nehmen wir Dinos eigentlich die Gewissheit, dass ausgerechnet unsere alte Moral das Maß aller Dinge bleibt?
Diese Vorstellung blockiert Möglichkeiten. Weil unser Denken nicht offen genug ist. Punkt.
Wir projizieren unsere eigene Unbeweglichkeit, unsere Fantasielosigkeit, unsere Mutlosigkeit – auf diejenigen, die noch am Anfang stehen.
Und es ist typisch: Wo solche Sprüche fallen – „Junge Menschen taugen nichts“ – herrscht oft Stillstand. Abteilungen blockieren sich, Hierarchien stehen sich im Weg. Aus Frustration entsteht Kontrolle.
Am Ende bleibt eine Frage: Beschäftigt sich die Organisation mit der Vergangenheit – oder mit der Zukunft?
Das hat mit den jungen Leuten im Kern nichts zu tun.