Seit der Halbleiterkrise – spätestens seit Corona – ist die Komplexität explodiert. Planungshorizonte reichen kaum über den nächsten Monat. Budgets, Personal, Energie – alles unter Stress. Und mit der Unsicherheit wächst der Kontrollwunsch.
Mehr Meetings, mehr Tools – weniger Nähe
Was tun viele Organisationen? Noch mehr Meetings. Noch mehr KPIs. Noch mehr Reporting. Der Reflex ist verständlich: Wenn es zu viel wird, wollen wir es managen. Aber genau da beginnt das Problem.
Die Rechtfertigung klingt harmlos – ist aber fatal
Ich höre oft: „Früher hatten wir mehr Zeit für Menschen. Heute geht das nicht mehr – die Welt ist komplexer geworden.“
Klingt verantwortungsvoll. Ist aber eine stille Kapitulation – vor der Idee, dass Menschen eher Störfaktor als Möglichkeit sind.
Niemand will unterdrücken – also wird Kontrolle freundlich verpackt. Tools mit sympathischer UX. Smileys im Reporting. Aber was zählt, sind Zahlen. Was nicht messbar ist, wird entwertet. Was nicht sichtbar ist, wird ignoriert.
Schönwetter nach oben – Regen unten
Wer Probleme anspricht, stört das System. Also wird nach oben Schönwetter gemeldet – auch wenn es unten stürmt. Ich zeige das oft mit meinem Koffer: Unten Regen. Oben Sonne. Was absurd klingt, ist Alltag.
Was hindert euch – wirklich?
Viele sagen: „Wir würden ja gern mehr Menschlichkeit leben – aber wir können nicht.“
Ich frage: Was genau hindert euch daran?
Viele Führungskräfte sind keine Täter. Sondern selbst gefangen – in einem System, das ihnen einredet: „Wenn die Zahlen stimmen, hast du alles richtig gemacht.“
Macht bleibt oben. Verantwortung wird unten verteilt.
Top-down-Führung in Krisen verwaltet, statt zu ermöglichen. Sie kontrolliert, statt zu gestalten. Und sie unterschätzt die Kraft, die in Vertrauen steckt.
Top-down in komplexen Zeiten? Ein Systemfehler.